85. Todestag: Gemeinsames Gedenken an Joachim Gottschalk

Am Morgen des 6. November versammelten sich der Calauer Bürgermeister Marco Babenz, Schülerinnen und Schüler der Calauer Oberschule und Vertreter des Heimatvereins am Denkmal von Joachim Gottschalk. Auf den Tag genau vor 85 Jahren nahm dieser sich gemeinsam mit seiner Frau Meta und dem Sohn Michael das Leben. In Calau wird Jahr für Jahr an seinem Todestag an das Schicksal der Familie erinnert. Denn ihre Geschichte steht beispielhaft für das Leid vieler Familien, die während der NS-Zeit verfolgt wurden. 

 

In seiner kurzen Ansprache hob der Bürgermeister hervor, wie wichtig es auch heute ist, die tragische Lebensgeschichte der Familie in Erinnerung zu behalten: „Ihr Schicksal zeigt uns auf erschütternde Weise, wohin Ausgrenzung, Hass und staatliche Repressalien führen können. Und es erinnert uns daran, dass Unrecht nicht erst dort beginnt, wo Menschen ihr Leben verlieren. Es beginnt viel früher: wenn Menschen herabgewürdigt, ausgegrenzt, bedroht und ihrer Rechte beraubt werden. Gerade heute, mehr denn je, ist es unsere Aufgabe, solchen Entwicklungen entgegenzutreten. Nicht wegzusehen. Nicht zu schweigen. Haltung zu zeigen, wenn Menschen wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer Überzeugungen angefeindet und bedroht werden.“

 

Joachim Gottschalk, geboren am 10. April 1904 in Calau, war Sohn eines Arztes und besuchte das Cottbuser Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. Nach seinem Abitur fuhr er vier Jahre zur See ehe er sich der Schauspielerei widmete. Erste Engagements führten ihn nach Stuttgart, wo er sowohl an der Volksbühne als auch am Landestheater erste Erfolge feierte. Hier lernte er auch seine spätere Frau Meta Wolff kennen, ebenfalls Schauspielerin. Die beiden heirateten am 3. Mai 1930 und bekamen später den gemeinsamen Sohn Michael. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten veränderte sich die Lage für die Familie. Meta Wollf bekam als Jüdin Berufsverbot. Für Joachim Gottschalk wurde es als „jüdisch Versippter“ fortan schwerer, an Rollen zu kommen. Dennoch gelang es ihm weiter Erfolge zu feiern, an der Volksbühne zu Berlin galt er sogar als populärster Theaterschauspieler der Hauptstadt. Auch im Film machte er sich nach und nach einen Namen, trat in vielen bekannten Produktionen aus und wurde von der ausländischen Presse gar als bester deutscher Schauspieler gefeiert. 

 

Doch die Nazis hatten das Schicksal seiner Familie bereits besiegelt. Laut einem Bericht des Tagesspiegels gab Reichspropagandaminister Joseph Goebbels Gottschalks Frau bei einer zufälligen Begegnung einen Handkuss. Als Goebbels davon erfuhr, dass sie Jüdin ist, sollte Meta Wolff umgehend mit Sohn Michael ins KZ Theresienstadt deportiert werden. Joachim Gottschalks Wunsch, die Familie dorthin zu begleiten, wurde abgelehnt. Verzweifelt angesichts der ausweglosen Situation wählten sie am 6. November 1941 den Weg des gemeinsamen Suizids. Nachdem sie ihrem Sohn Michael Schlaftabletten verabreichten, ließen sie in ihrer Wohnung das Gas offen und starben in dessen Folge. Nachrufe und Berichterstattungen über den Tod des beliebten Schauspielers und dessen Familie wurden durch die Nazis verboten. Fünf Tage zuvor schickte die Familie einen Abschiedsbrief an Familie und Freunde. 

 

Eingeleitet mit den Worten: „Es ist jetzt soweit“.

 

Hintergrund

Seit vielen Jahren erinnern die Stadt Calau, der Heimatverein Calau e.V. gemeinsam mit Schülern der Oberschule an das Schicksal von Joachim Gottschalk und seiner Familie. Die 1967 von Theo Balden geschaffene Bronzefigur, die an den Schauspieler erinnert, stand ursprünglich im Park am Busbahnhof und wurde aufgrund des Neubaus der örtlichen Sparkasse im Jahr 1994 in eine Gedenkwand am ehemaligen Wohnhaus in der Joachim-Gottschalk-Straße 35 eingefügt. Diese Gedenkstätte mit der Inschrift wurde am 10. April 1964 anläßlich seines 60. Geburtstages eingeweiht. Das Grab von Joachim Gottschalk befindet auf dem Stahnsdorfer Süd-West-Friedhof und wurde im August 1999 in die Liste der Ehrengräber der Stadt Berlin aufgenommen.

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Veröffentlichung

Calau
Fr, 06. November 2026

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