Neue Kirchenorgel in Gollmitz wird am Sonntag geweiht

Diesen Sonntag, den 4. Oktober, wird ein neues Kapitel in der Geschichte der Dorfkirche Gollmitz aufgeschlagen. Denn im Rahmen des Erntedankgottesdienstes wird um 14:00 Uhr eine neue Orgel geweiht. Dank der Initiative von Kirchenmusiker Sanko Ogon und unserer Pfarrerin Kathrin Schubert konnte ein privat gespendetes Instrument in die Dorfkirche Gollmitz transferiert werden. Aufgebaut und gestimmt vom Orgelbaumeister Markus Roth aus Nauen wird es an diesem Tag seiner Bestimmung übergeben. Interessierte sind zu dieser feierlichen Einweihung herzlich willkommen.

 

Zur Gollmitzer Orgel-Geschichte (Auszüge, Quelle: Hans Fischer, Dorf- und Feuerwehrverein Gollmitz)

 

Die 1. Orgel

Seit dem Mittelalter gehörte das Dorf Gollmitz zur Standesherrschaft Drehna, war Teil des Drehnaer Pfarrsprengels und fiel damit in die Zuständigkeit der Drehnaer Pfarrer. Wir schreiben das Jahr 1803 und Pfarrer Traugott Mirus notiert in der Drehnaer Pfarrkladde in Kurrentschrift:

Den 13. Jun. Montags nach dem 1. p. T. kam die neue Orgel, so weit sie fertig war, endlich bei uns an. Die alte Orgel ging nach Gollmitz ab u. klang den 8. post T. zum erstenmal dort.

‚Ging ab‘  ist allerdings ein Euphemismus, denn die Gollmitzer zahlten für die alte Orgel immerhin noch 45 Taler! Zum Vergleich: Der Monatslohn eines Leinewebers betrug damals 8 Taler und 12 Silbergroschen.

Aber es war offensichtlich keine schlechte Orgel, denn sie tat weitere fast 90 Jahre ihren Dienst. 1892 aber hatte sie dann endgültig ausgedient und der Gollmitzer GKR beschloss die Anschaffung einer neuen Orgel und Orgelbaumeister Julius Schwarz erhielt den Auftrag. 1862 in Rostock geboren, lernte er Orgelbau von 1876-80 in Stralsund und begründete 1887 seine eigene Werkstatt in Rostock.

 

Die 2. Orgel

Der GKR notierte: „Die Orgel ist nach dem neuen pneumatischen System gebaut und wird von allen Leuten gelobt.“ Sie kostete 1.080,- Mark (Zum Vergleich: Der Monatslohn eines Arbeiters betrug damals etwa 120 Mark), wovon der Patron Wätjen 300,- spendierte und die Gemeinde den Rest aufbrachte. Weil die Orgel alle Beteiligten überzeugt hatte, bekam Julius Schwarz einen weiteren Auftrag für eine Orgel – diesmal für Drehna selbst.

Dieses Instrument war 1949 - für eine Orgel im jugendlichen Alter von nur 57 Jahren – dem Drehnaer Pfarrer Rudolf Schulz nach überstandenem Weltkrieg das Geld für eine gründliche Überholung wert.

Nach Auflösung der Standesherrschaft Drehna fiel Gollmitz in den Pfarrbereich Groß Jehser – der dortige Pfarrer Christian Dienel notierte im Zusammenhang mit Arbeiten zur Ortschronik um die Jahrtausendwende zum Thema Orgel: nicht mehr benutzbar/ Tausch Pfeifen an Altdöbern vorn(ehmen).

Die Gollmitzer Orgel wies zu Beginn der 1980er Jahre bereits gravierende Mängel auf. Die Instandsetzung einer Orgel ist auch heute ein kostspieliges und langwieriges Unterfangen – damals lag sie weit außerhalb der Möglichkeiten der Gemeinde.      

Seit 42 Jahren mussten die Gollmitzer also ohne Orgel auskommen und man behalf sich mit elektronischem Ersatz. Auch wenn die Klangqualität elektronischer Orgeln in diesen vier Jahrzehnten eine enorme Entwicklung nahm, blieb immer eine große Sehnsucht nach dem Klang einer ‚richtigen‘ Pfeifenorgel.

 

Die 3. Orgel

Dank einer großzügigen Sachspende von privater Seite und dank des Engagements von Pfarrerin Kathrin Schubert und Kirchenmusiker Sanko Ogon wurde eine ‚richtige‘ Orgel ausfindig gemacht und von acht starken Gollmitzer Männern über eine Arbeitsrüstung am 11. September 2026 aus dem Kirchenschiff heraus auf die Orgelempore gehoben. Die Orgel verfügt über 4 (geteilte) Register und ein Manual – die Pfeifen sind durch farbenfroh bemalte Gehäuseflügel geschützt. Der Orgelbaumeister Markus Roth aus Nauen brachte sie in den Folgetagen in die richtige Stimmung, so dass die Orgel zum Erntedank am 4.Oktober geweiht und fortan eingesetzt werden kann. Das liturgischen Geschehen im Gottesdienst und der Gemeindegesang werden also künftig durch Klänge einer ‚echten‘ Orgel begleitet und unterstützt.

Der Gollmitzer Musiksommer – eine Veranstaltungsreihe mit Konzerten von Klassik bis Rockmusik – wird künftig alle Register ziehen, um Orgelklänge auch in diese Reihe einzubinden.

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